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Blutrache in Nord-Albanien und was das mit Deutschland zu tun hat

Was hat man in Deutschland mit so einer erschreckenden Sache wie der „Blutrache“ zu tun?

Nicht viel auf den ersten Blick. Ganz schön viel auf den zweiten. Denn mit der sicher wünschenswerten Öffnung europäischer Grenzen, wie der hin zu Albanien, schwappt ein Problem nach Deutschland, das für die davon Betroffenen alles andere als einfach zu lösen ist.

Blutrache, die kennt man bei uns nur aus Hollywood-Filmen wie „Der Pate“. Aber dort handelt es sich um Konflikte, die mehr im Verborgenen ausgetragen werden und nur von einigen wenigen führenden Mafia-Familien.

In Nord-Albanien ist das anders. Dort gehört Blutrache zum täglichen Leben. Lange während der kommunistischen Herrschaft im Zaum gehalten, ploppte dieses Thema nach dem Sturz dieses Systems im Jahr 1990 für viele völlig unerwartet so verstärkt auf, dass man bereits 14 Jahre später von über 2500 bekannten Fällen aktiv begangener Blutrache sprach. Und von einem Problem, das sich wie eine Seuche in Nord-Albanien ausbreitete. Heute liegt die
Zahl der Opfer um ein Vielfaches höher. Die Blutrache ist so sehr Teil des albanischen Lebens, dass sie vor absolut niemandem halt macht.

Viele albanische Familien, besonders die gebildeten, versuchen, diesem grausamen Ritual durch Flucht in die Anrainerstaaten zu entgehen. Denn niemand ist davor geschützt. Nicht durch Stand oder Bildung, nicht durch Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft. Die Blutrache ist so sehr Teil des albanischen Lebens, dass sie vor niemandem halt macht. Sie hat sich verselbstständigt, eine schreckensvolle Eigendynamik entwickelt.

 

Wie es dazu kam - Das Leid der Betroffenen

Seit nunmehr 500 Jahren liefert die Blutrache bereits die Gesetzesgrundlage für ein von vielen Eroberungen durch Fremdvölker völlig „aufgelöstes“ Volk, das nach der Besatzung durch das osmanische Reich endgültig seine kulturellen und religiösen Wurzeln verlor. Und sich aus Ermangelung eines besseren, einfach eigene Wurzeln „bastelte“. Daraus entstand ein sogenannter „Ehrenkodex“, zu dem auch die Blutrache gehört.

Albanien ist jedoch nun Teil eines freien Europas und die Regierung bemüht sich nach Kräften, nach langen Jahren der absoluten Isolation, Anschluss an die westliche Welt zu finden. Religionsfreiheit ist mittlerweile fest verankert, Demokratie und freie Wahlen sind Standard. Es wächst zudem eine Generation heran, die jung ist und sich nach Freiheit und einem modernen Leben sehnt.

Dem gegenüber steht eine archaische, offen gelebte blutige Tradition, die dazu führt, dass die Männer der Familie oft nur noch Nachts das Haus verlassen können. Eine geregelte Arbeit ist ihnen unmöglich. Das führt zu bitterer Armut, zu Angst und Depression. Und dies wiederum zur Flucht in die benachbarten EU-Länder, wo die Flüchtlinge ein Problem darstellen, das es so eigentlich nicht geben müsste. Die meisten albanische Flüchtlinge werden nicht als Asylsuchende anerkannt und müssen zurück in ihr Land, wo sie diesem Ritual dann wieder ausgesetzt sind. Ein unheilvoller Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt!

Bedürfnisse

Arbeitslosigkeit und Armut

Da die Männer ständiger Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sind, können sie keiner Arbeit nachgehen und ihre Familien nicht versorgen. Staatliche Unterstützung gibt es in Albanien nicht, da Albanien ein sehr armes Land ist. Für Frauen ist es kaum möglich, Arbeit zu finden. Zum einen haben viele von ihnen keine Ausbildung, zum anderen ist es ein althergebrachter Brauch, der es Frauen verbietet, arbeiten zu gehen. Blutrache vernichtet damit nicht nur die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, sondern führt die betroffenen Familien in immer größere Armut hinein.

Kinder und ihre Zukunft

Ein Fokus liegt auf den Lebensumständen von Kindern aus den betroffenen Familien. Sie benötigen dringend spezielle Fürsorge in sozialer und erzieherischer Hinsicht. Sie entbehren viel, da sie von ihren belasteten Eltern kaum Hilfe bekommen können. Ebenso benötigen die Kinder aufgrund ihrer psycho-emotionalen Verfassung unbedingt professioneller Hilfe, da viele von ihnen Ermordungen miterlebt haben und dadurch schwer traumatisiert sind.

Engagement für diese Zielgruppe

Junge Menschen aus der Kirchengemeinde helfen mit, so dass regelmäßige Besuche bei betroffenen Familien realisiert werden können. Im Rahmen von Förderprogrammen stellt die Stiftung Grundnahrungsmittel für die Familien bereit, die vor allem im Winter dringend benötigt werden. Einige Betroffene aus diesen Familien haben ihr Leben Gott übergeben und besuchen inzwischen die Kirchengemeinde regelmäßig wöchentlich.

 

Word of Christ Foundation

Am 8. Oktober 2010 wurde Dritan Prroj, Pfarrer der örtlichen Kirche „Wort Gottes“, im Alter von 34 Jahren ermordet - Grund: Blutrache. Nach seiner Ermordung fand man in seinen Taschen einen handschriftlichen Entwurf für die Stiftung „Word of Christ Foundation“, Dritan Prrojs Vision, mit Vergebung und dem offenen Bekenntnis zu Jesus Christus der Blutrache entgegenzutreten.

Elona Prroj, die Witwe des ermordeten Pfarrers, tat dazu etwas Außergewöhnliches: Statt wegen des Todes ihres Mannes verbittert zu sein, vergab sie der Familie des Mörders öffentlich und vollzog so einen viel beachteten Schnitt in die ununterbrochene Fehde der beiden Familien. Als Folge davon war es möglich, die Stiftung, die sich ihr Mann gewünscht hatte, ins Leben zu rufen.

Die Stiftung „Word of Christ Foundation“ (dt. Name: „Nein zur Blutrache – Ja zum Leben“) wurde in Shkoder in Nordalbanien nicht nur mit dem Ziel gegründet, gegen die todbringende Tradition der Blutrache anzukämpfen, sondern eben auch, um deren Opfer geistlich, materiell und psychologisch zu unterstützen.

Hintergrund

Die 2400 Jahre alte Stadt Shkoder ist mit mehr als 110.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Albaniens und ist seit jeher regionales Verwaltungszentrum und kulturelles Zentrum, das das albanische Nationalbewusstsein nachhaltig bis zu in den Nachbarländern angesiedelten Albanern prägte. Blutrache ist in dieser Region ein besonderes Problem mit einer alten Tradition seit dem 15. Jahrhundert. Seit 1991 sind 20.000 Menschen in Blutfehden verwickelt, mehr als die Hälfte davon wurde ermordet.

Seit Oktober 2015 gibt es unter ihrer Obhut eine Kindertagesstätte, in der jede Woche 35 von Blutrache betroffene Kinder betreut werden. Sie bekommen dort schulische und emotionale Unterstützung und können so für einige Zeit ihrem bedrückenden häuslichen Milieu entkommen. Sie erhalten zudem vor Ort täglich eine warme Mahlzeit und lernen Gott durch Bibellesen und Gebet kennen.

Zudem stellt die Stiftung Grundnahrungsmittel für die betroffenen Familien bereit, die vor allem im Winter dringend benötigt werden.

Unterstützer

Die Stiftung erhält Unterstützung aus verschiedenen Gruppierungen aus Übersee. So wurde aus einer Kirche Brasiliens ein Team von Zahnärzten nach Albanien entsandt, die betroffenen Familien umsonst professionelle zahnärztliche Behandlungen anbot. Die Zahnärzte kamen mit einer mobilen Zahnklinik in jedes Haus und behandelten die Familienmitglieder, die aufgrund der bestehenden Blutrache das Haus nicht verlassen können.

Seit Oktober 2015 gibt es unter der Obhut der Stiftung eine Kindertagesstätte, die an dem Ort eröffnet wurde, an dem Dritan Prroj ermordet wurde. Exakt an diesem Ort vielen Kinder Leben und Hoffnung zu bringen, insbesondere den Waisen, die ebenfalls ihre Väter durch Blutrache verloren haben, war ein besonderes Anliegen der Vorsitzenden Elona Prroj, um zu zeigen, das Gott Leben und Leben in Fülle aus dem Tod hervorbrechen lassen wird. Jede Woche werden hier 35 von Blutrache betroffener Kinder betreut. Die Kinder erhalten schulische und emotionale Unterstützung. Gleichzeitig können sie für einige Zeit ihrem bedrückenden häuslichen Milieu entkommen und erleben, dass es auch für sie wieder ein Leben voller Vitalität und Freude gibt. Dazu werden sie mit anderen, nicht betroffenen Kindern aus der Gemeinde zusammengeführt.

Die Stiftung hat einen Minivan gemietet, mit dem die Kinder zur Tagesstätte abgeholt werden und dort für drei Stunden betreut werden. Christliche Lehrer geben ihnen Englischunterricht und vermitteln Computerkenntnisse. Ebenso lernen sie Gott anhand der Bibel kennen. Die Kinder erhalten außerdem eine warme Mahlzeit, so dass diese mit „vollem Magen“ von der Tagesstätte heimkehren können. Es ist ein Geschenk für die Mitarbeiter, deutliche Veränderungen und Verbesserungen im Leben der Kinder zu erleben.

Berichte aus Albanien:

Um den Kreislauf von Blutrache und Armut weiter zu unterbrechen, wurde im Herbst 2017 in Shkoder eine christliche Schule eröffnet. Durch einen erfolgreichen Schulabschluss sollen die Kinder einen Beruf erlernen und ihre Familien später einmal unterstützen können.

Zudem lernen die Kinder durch das tägliche Miteinander in einer christlich geprägten Umgebung, dass Blutrache keine Lösung für Probleme ist. Die Schule wird damit zu einem wichtigen Baustein raus aus der langen und unseligen Tradition ewiger Rache. Nur einer jungen, vergebungsbereiten Generation
mit neuen Werten kann es gelingen, diese Tradition für immer hinter sich zu lassen.

 

Von Lüdenscheid nach Albanien

Viele albanische Flüchtlinge werden nicht anerkannt als Asylsuchende und müssen zurück in ihr Land, wo sie der Blutrache wieder ausgesetzt sind. Selbst gut in Deutschland integrierte Menschen wie Alban und Sonja Abazi wurden mit ihren Kindern „rückgeführt“. Sonja, die Dozentin für Sprachen
ist und ebenso gut Englisch wie Deutsch spricht, ist die enge Freundin der Pastorin und Stiftungsgründerin Elona Prroj.

Auf diesem Weg wurde dieses brisante Thema zum Thema einer Gruppe von Lüdenscheidern, die sich während des Aufenthaltes der Familie Abazi in Lüdenscheid um sie gekümmert hatten. Ihnen ließ ihre Abschiebung keine Ruhe und so flogen sie bereits wenige Wochen später nach Tirana, um zu sehen, wie es den Abazis wohl ginge. Sie wollten sich als Freunde der Familie einen Eindruck vor Ort verschaffen.

Die evangelische Kirchengemeinde Oberrahmede I, zu der die Gruppe gehört und in der auch die Abazis während ihres Deutschlandaufenthalts ihren Platz gefunden hatten, unterstützt nach den Berichten der Gruppe über die angespannte Situation in Albanien, seit März 2017 die Stiftung „Word of Christ Foundation“ aktiv mit sonntäglichen Kollekten und Spenden.

Kirche Oberrahmede
Die ev. Kirchengemeinde Oberrahmede I unterstützt seit dem März 2017 mit sonntäglichen Kollekten und weiteren Spenden das Versöhnungswerk gegen Blutrache unter der Leitung von Pastorin Elona Prroj in Albanien. Dank des wendigen Einsatzes von Horst Beste ist die Gemeinde an die Möglichkeit gekommen, praktische und ideelle Hilfe zu leisten, bei der Versorgung von Familien zu helfen, deren Väter umgebracht worden sind, das Zentrum für traumatisierte Kinder mit zu unterstützen, die christliche Schule aufzubauen, die Gehälter von Sonja und Alban Abazi mitzufinanzieren, Kontakte zu halten und Beziehungen zu pflegen und so zur Versöhnungsarbeit beizutragen, die von Pastorin Elona Prroj nach der Ermordung ihres Mannes gegründet worden ist. Jahrzehntelang hat die Gemeinde Horst Beste mit seinem Verein „Kinderhilfe Mongolei“ unterstützt, dessen Arbeit nun Zug um Zug in mongolische Hände überführt wird, sodass Platz und Raum ist für ein erneutes Engagement an neuer Stelle. Monika Deitenbeck-Goseberg (Pfarrerin der ev. Kirchengemeinde Oberrahmede, Bezirk I)

Moni und Elona

Die Gemeinde leistet darüber hinaus praktische und ideelle Hilfe, um bei der Versorgung derjenigen Familien zu helfen, deren Väter umgebracht wurden. Sie unterstützt zudem ein Zentrum für traumatisierte Kinder und hat dabei geholfen, die christliche Schule aufzubauen. Sie pflegt rege Kontakte und Beziehungen nach Albanien und trägt so ganz praktisch zur Versöhnungsarbeit mit bei.

Lesen Sie, wie die Hilfe vor Ort ankommt:

Wie können Sie helfen?

Es gibt viel zu tun. Die Familien wollen besucht und mit Lebensmitteln versorgt werden. Darüber hinaus brauchen diese Familien Hilfe bei den unterschiedlichsten, ganz individuellen Belangen des Alltags. Elona Prroj ist die bislang einzige Vollzeitkraft, was viel zu wenig ist. Deshalb werden am dringendsten Missionshelfer benötigt, die eine echte Unterstützung für diese wichtigen Dienste sein können. Aber auch Handwerker sowie Praktikanten, die Freude am Umgang mit Kindern haben, sind willkommen!

Weiter wären wir dankbar für:

  • Regelmäßige finanzielle Unterstützung: Mit 40 Euro monatlich können wir ein monatliches Essenspaket für eine ganze Familie bereit stellen.
  • Spenden für die laufenden Betriebskosten des Schulgebäudes und für die Gehälter der Lehrer und Lehrerinnen.
  • Schulgeld-Patenschaften (mtl. 40 Euro für ein Kind).
  • Sachspenden (bitte vorher Kontakt aufnehmen!): z.B. Kleidung, Schuhe, Fahrräder, Haushaltswaren usw..
    Werkzeuge wie Schraubenzieher, Zangen, Schlüsselsätze, Werkzeugkoffer, Werkzeuge für die Holzbearbeitung und Malerutensilien, Akkuschrauber, Schlagbohrmaschine, Handkreissäge, Stichsäge etc.
  • Fürbitte und Gebet
Gebetsanliegen

Bitte beten Sie, dass

  • Gott Albanien aus der Knechtschaft der todbringenden Blutrache befreit,
  • Gott uns mit den notwendigen finanziellen Mitteln versorgt, damit wir die Kosten decken können, die durch den Betrieb der Kindertagesstätte und die Versorgung der Familien entstehen,
  • dass Gott alle, die mit dieser Zielgruppe arbeiten, zurüstet und sie mit aller Kraft und Weisheit erfüllt und stärkt, damit sie in Widrigkeiten und Anfechtungen nicht entmutigt werden.

Gott segne Sie!

Kontakt

Spendenkonto





Horst Beste
Wehberger Straße 49 · 58507 Lüdenscheid
Telefon: 02351 4332065
E-Mail: beste.kinderhilfe@gmx.de

IBAN: DE98 4585 0005 0000 4168 83
BIC: WELADED1LSD
Sparkasse Lüdenscheid
Wichtig!! Angabe des Verwendungszwecks: „Albanien“

Um die Verwaltungskosten so niedrig wie möglich zu halten, wird das Konto für Albanien über die Kinderhilfe Mongolei e.V. mit eigener Kontonummer geführt! Die Kinderhilfe Mongolei e.V. ist ein gemeinnütziger christlicher Dienst, der sich ausschließlich durch Gaben und Spenden von Freunden, Gemeinden und Werken finanziert. Spenden sind steuerlich absetzbar!